Kurz vor Abschluss der Winterpause und unmittelbar vor dem Rückrundenstart organisierte der Thurgauer Fussballverband (TFV) am Sonntag, 1. März 2026, erneut eine Weiterbildung für seine zahlreichen Funktionärinnen und Funktionäre. Gastgeber war WASA St. Gallen Unihockey, dessen Herren- und Frauenteams in der Nationalliga vertreten sind. 

Akzente im Breiten- und Spitzensport 

Nachdem die Weiterbildung im Herbst 2024 im Nachwuchsleistungszentrum des SC Freiburg stattfand und wertvolle Einblicke in professionelle Nachwuchsarbeit ermöglichte, wurde für die diesjährige Durchführung bewusst eine regionale Lösung gewählt. Da der Fokus der TFV-Anspruchsgruppen naturgemäss meist auf dem Fussball liegt, wollten die Verantwortlichen mit der Wahl des Unihockeysports gezielt neue Perspektiven ermöglichen. Mit WASA St. Gallen fand man hierbei einen Partner, der sowohl im Breiten- als auch im Spitzensport nachhaltige Akzente setzt. Ähnlich wie im Projekt «Future Champs Ostschweiz» arbeitet der Club mit verschiedenen Partnervereinen zusammen und stellt so die Durchlässigkeit zwischen den Leistungsstufen sicher. 

Visualisierung von Torsituationen 

Nebst dem formellen Austausch mit verschiedenen Inputs standen zwei Spielbesuche im «Tal der Demut» auf dem Programm. Die Dreifachsporthalle – tagsüber von Berufsschulen, abends primär vom St. Galler Unihockeyclub genutzt – bildete den Rahmen für zwei intensive und hochklassige Partien. Den Auftakt machten die U21-Junioren im letzten Qualifikationsspiel gegen den Tabellenführer Ad Astra Obwalden. Als Zweitplatzierte benötigten die St. Galler einen Sieg nach 60 Minuten, um die Tabellenspitze zu übernehmen und sich das Heimrecht für die Playoffs zu sichern. In einer intensiven, aber stets fairen Begegnung gingen sie zwar zweimal in Führung, mussten sich letztlich jedoch der Effizienz der Innerschweizer geschlagen geben. Besonders in Erinnerung blieb den anwesenden Trainern das strukturierte Warm-up der Torhüter. Aufgrund der hohen Anzahl an Torsituationen im Unihockey unterscheidet sich das Torhüterspiel deutlich vom Fussball. Entsprechend spezifisch gestaltet sich auch die Spielvorbereitung: Verschiedene typische Abschlussarten wurden gezielt visualisiert und antizipiert – ein spannender Ansatz, der auch sportartenübergreifend zum Nachdenken anregte. 

Mittendrin statt nur dabei 

Damit Spiele in geordneten Bahnen verlaufen, sind auch im Unihockey Schiedsrichter unverzichtbar. Die beiden NLA-Referees Anton Britschgi und Irfan Gasser gewährten den Teilnehmenden in einem 20-minütigen Interview spannende Einblicke in ihre Tätigkeit auf höchstem nationalem Niveau. Im Vergleich zum Fussball unterscheidet sich das Anforderungsprofil unter anderem aufgrund der Spielfeldgrösse und der Dynamik in der Halle deutlich. Die rund 40 Spitzenschiedsrichter von Swiss Unihockey absolvieren jährlich spezifisch entwickelte Konditionstests, welche die relevanten Bewegungsmuster optimal abdecken. Zudem wird intensiv mit Videotools gearbeitet: Wöchentliche Analysen von ausgewählten Situationen fördern sowohl die individuelle Weiterentwicklung als auch den einheitlichen Austausch innerhalb der Spitzenschiedsrichter. Ein besonderes Highlight war die Möglichkeit, während des anschliessenden NLA-Spiels den Funkverkehr der Unparteiischen mitzuhören. Dadurch erlebten die Teilnehmenden das Spiel aus einer völlig neuen Perspektive – tatsächlich mittendrin statt nur dabei. 

WASA als möglicher Zentrumsverein 

Im Anschluss stellte WASA-Geschäftsführer Lukas Minder gemeinsam mit Präsident Thomas Eberle den Verein und seine strategische Ausrichtung vor. Eberle, hauptberuflich Schulleiter und seit bald zehn Jahren Präsident, vermittelte eindrücklich die Vision und Werte des Clubs. Ein zentrales Thema war das nationale Projekt «Unihockey 2025», welches von Lukas Minder präsentiert wurde. Ziel dieser von Swiss Unihockey lancierten Initiative ist es, den Sport langfristig und nachhaltig weiterzuentwickeln. In der Strategie 2024–2030 wurde unter anderem festgehalten, dass das Schweizer Unihockey weiterhin zur Weltspitze zählen und die Nationalteams um Weltmeistertitel mitspielen sollen. Gleichzeitig sollen der Spielbetrieb modern organisiert und der ideale Athletinnen- und Athletenweg in enger Zusammenarbeit mit Talentförderungspartnern definiert werden. Ein Kernelement des Projekts ist die Bildung von Zentrums- und Partnervereinen. Insbesondere im Breitensport sollen regionale Partnerschaften gestärkt und Strukturen gezielt weiterentwickelt werden. Die Delegiertenversammlung 2025 sprach sich mehrheitlich für die Umsetzung aus; aktuell erfolgt die Detailplanung in verschiedenen Kommissionen. Abgerundet wurde der Austausch durch ein Interview mit U21-Headcoach Ondrej Houra und Topscorer Yanis Hug, der in 18 Qualifikationsspielen beeindruckende 47 Skorerpunkte erzielte. Vom tschechischen Cheftrainer augenzwinkernd als «Killer» bezeichnet, unterstrich Hug exemplarisch die Leistungsfähigkeit der Nachwuchsarbeit von WASA. 

Intensität auf höchstem Niveau 

Zum Abschluss der Weiterbildung folgte der zweite Spielbesuch: die letzte Qualifikationspartie zwischen WASA und den Alligatoren aus Malans. Tempo, Intensität und physische Präsenz übertrafen das zuvor gesehene U21-Spiel nochmals deutlich. Auch die beiden Schiedsrichter waren gefordert, behielten jedoch selbst in hektischen Phasen den Überblick und führten die Partie souverän zu Ende. Vor über 300 Zuschauerinnen und Zuschauern setzte sich WASA in einer torreichen Begegnung mit 7:6 durch. Dank des zur Verfügung gestellten Kommunikationssystems konnten die Teilnehmenden nicht nur visuell, sondern auch auditiv am Geschehen partizipieren. Der Einblick in die direkte Kommunikation zwischen den Unparteiischen sowie in deren Dialog mit den Spielern verlieh dem Erlebnis zusätzliche Authentizität und Nahbarkeit. 

Beidseits positives Fazit 

Noch während sich die Frauen von WASA auf ihre zweite Playoff-Halbfinalpartie in der Nationalliga B vorbereiteten, zogen die Verantwortlichen ein durchwegs positives Fazit. «Mit dem Fokus auf das Unihockey wollten wir bewusst einen Perspektivenwechsel ermöglichen, damit unsere Funktionärinnen und Funktionäre neue Ideen und Ansätze kennenlernen», so Bernhard Aggeler, TFV-Vorstandsmitglied und aktiver Unihockey-Schiedsrichter, der an diesem Sonntag gleich zwei sportliche Leidenschaften vereinte. 

Auch WASA-Geschäftsführer Lukas Minder blickte zufrieden auf den Anlass zurück: «Der Austausch mit dem Thurgauer Fussballverband zeigte eindrücklich, wie viele Gemeinsamkeiten – aber auch Unterschiede – in der Nachwuchsentwicklung der beiden grössten Teamsportarten bestehen. Es freut uns sehr, dass so viele engagierte Funktionäre bei uns zu Gast waren.» 

Bericht: Thurgauer Fussballverband/Bernhard Aggeler
Fotos: Thurgauer Fussballverband